Mit Stern & Hafferl durch Oberösterrreich

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Mit Stern & Hafferl durch Oberösterrreich

Beitrag  der Lüdenscheider am So 21 Aug 2016, 01:50

Hi,

vom 19.07.-21.07.2016 weilten wir im österreichischen Bundesland Oberösterreich. Es war mein erster Auslandsaufenthalt nach über 15 Monaten. Im Verlauf lernte ich endlich meinen ersten Straßenbahnbetrieb im Land der Berge kennen.

Der Grund für den Besuch in der Gegend ist das seit über 130 Jahren existierende Familienunternehmen Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft m.b.H., das größte private Verkehrsunternehmen Österreichs, welches in ihrem Einsatzgebiet im OÖVV noch mehrere und verschiedene Altbau-Fahrzeuge einsetzt. Doch in naher Zukunft wird es einen großen Umbruch geben. Auf der meterspurigen Traunseebahn begann die Modernisierung bereits im Herbst 2011. Seither fahren dort hauptsächlich Niederflur-Straßenbahnen, zunächst Leihfahrzeuge vom Typ Flexity Outlook aus Innsbruck, seit Frühjahr 2016 dann komplett die hauseigenen Vossloh Tramlink. Ab dem Schulbeginn am 10.09.2016 soll auch der Fuhrpark der Attergaubahn auf die neue Fahrzeuggeneration umgestellt werden. Darüber hinaus soll im Juli 2017 das Großprojekt "Stadtregiotram Gmunden" vollzogen sein. Einhergehend haben dann auch die Großraumwagen ausgedient. Dann bleibt das alte Eisen nach der stückweisen Ausmusterung auf unbestimmte Zeit nur noch auf der der Vorchdorferbahn und auf einem Streckenabschnitt der Linzer Lokalbahn, auf der seit 2001 überwiegend Stadler GTW zum Einsatz kommen, erhalten. Aus einem Betrieb der Vielfalt wird zunehmend eines der Eintönigkeit.

Der Firmensitz befindet sich in der am Traunsee im malerischen Salzkammergut gelegenen Keramikstadt Gmunden. Der Betriebshof und die Hauptwerkstatt hingegen liegt in Vorchdorf-Eggenberg. Ansonsten gibt es als Einrichtungen noch 4 Remisen.

Stern & Hafferl Verkehr unterhält aktuell im ÖPNV folgende Bereiche:
4 elektrische Lokalbahnen ---> Attergaubahn, Traunseebahn, Vorchdorferbahn und Linzer Lokalbahn.
1 Straßenbahnbetrieb in Gmunden
22 Buslinien
2 Schifffahrtslinien.

In diesem Beitrag werden die Lokalbahnen Attergaubahn, Vorchdorferbahn und die Straßenbahn Gmunden behandelt, welche wir vollständig bzw. teilweise erkundet haben.

Attergaubahn (Linie 180):
Die 13,4 Kilometer lange und elektrisch betriebene bis auf die Ausweichen eingleisige Lokalbahn von Vöcklamarkt (Westbahn) nach Attersee am Attersee über St.Georgen im Attergau ist meterspurig (Schmalspur). Sie besitzt 11 Zwischenhaltepunkte bei einer Fahrtzeit von 24 Minuten und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 33,50 km/h, wurde im Jahr 1913 eröffnet und gehört seither zu Stern & Hafferl. Die Remise befindet sich am Endbahnhof in Attersee. Für die Strecke stehen drei Plandienstfahrzeuge bereit. An Werktagen verkehren zu bestimmten Zeiten zwei Umläufe, ansonsten einer. Alle derzeitigen Einsatzgarnituren sind Exil-Schweizer und vom Hersteller Schindler Waggon. Die unzertrennlichen Zwillinge ET 26.109 und 26.110 wurden im Jahr 1949 für die Sernftalbahn angeschafft und fuhren zwischenzeitlich im Chablais südlich des Genfersees. Der dritte im Bunde ist der 1988 umgebaute ET 26.111, das Stammfahrzeug, welcher 1951 gebaut wurde und zuvor bei der Birsigtalbahn sowie bei der BLT Basel im Einsatz stand. Zu Testzwecken konnte zwischen September und November 2009 ein Flexity Outlook "Cityrunner" aus Innsbruck beobachtet werden. Diese in den 1980er Jahren übernommenen Triebwagen werden bald durch drei Niederflurgelenkwagen von Vossloh Tramlink ersetzt werden, die im Rahmen der "Stadtregiotram Gmunden" auch an die Attergaubahn gefallen sind. Insgesamt werden 11 Einheiten des im spanischen Valencia gebauten Typs erwartet.

Vorchdorferbahn (Linie 160):
Die 14,7 Kilometer lange und elektrisch betriebene bis auf die Ausweichen eingleisige Lokalbahn von Lambach (Westbahn) nach Vorchdorf-Eggenberg über Bad Wimsbach ist normalspurig (1435mm). Sie besitzt 11 Zwischenhaltepunkte bei einer Fahrtzeit von 24 Minuten und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 36,75 km/h, wurde im Jahr 1903 eröffnet und gehört seit 1932 zu Stern & Hafferl. Die Hauptwerkstatt befindet sich am Endbahnhof Vorchdorf-Eggenberg und wird gleichzeitig als Unterstellmöglichkeit genutzt. Für die Strecke stehen sechs Plandienstfahrzeuge (darunter zwei Steuerwagen) bereit. An Werktagen verkehren zu bestimmten Zeiten zwei Umläufe, ansonsten einer. Auch hier handelt es sich um eine Übernahme des Rollmaterials. Der ET 20.109 wurde im Jahr 1956 für die Salzburger Lokalbahn angeschafft und von der Waggonfabrik Rastatt gebaut. Die weiteren Züge wurden von Westwaggon hergestellt, waren einst in Westdeutschland unterwegs und sind Baujahr 1953. Der ET 20.111 stammt von der Extertalbahn im Weserbergland. Beide "Sambawagen"-Triebwagen ET 22.133 und ET 22.136 sowie die dazugehörigen Steuerwagen ES 22.233 und ES 22.236 waren zuvor bei der Köln-Frechen-Benzelrather-Eisenbahn und dann bei der "LILO" (Linzer Lokalbahn) im Einsatz. Zunächst sind hier keine Neufahrzeuge in Sicht.

Straßenbahn Gmunden:
Die 2,315 Kilometer lange Straßenbahnlinie G von Gmunden Bahnhof (Salzkammergutbahn) nach Franz-Josef-Platz ist meterspurig (Schmalspur) und bis auf die Ausweichen eingleisig. Sie besitzt 5 Zwischenhaltepunkte bei einer Fahrtzeit von 10 Minuten und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,89 km/h, wurde im Jahr 1894 zunächst als Lokalbahn eröffnet, gehört seit dem ersten Betriebsjahr und einer Unterbrechung bis zum Jahr 1925 zu Stern & Hafferl und wird seit dem Jahr 1938 als Straßenbahn geführt. Mit der Streckenlänge gilt sie als der kleinste Straßenbahnbetrieb der Welt und als eine der Steilsten dazu. Der gesamte Straßenbahnbetrieb wird mit nur 6 Personalien abgewickelt. Die Remise steht an der Gmundner Keramik und soll unmittelbar am Bahnhof neu entstehen. Für die Strecke stehen drei Plandienstfahrzeuge bereit. An Werktagen verkehren zu bestimmten Zeiten zwei Umläufe im 15-Minuten-Takt, ansonsten einer im 30-Minuten-Takt. Alle drei eingesetzten Straßenbahnen befinden sich im Besitz der GEG Elektro- und Gebäudetechnik und sind Vierachser-Großraumwagen mit einseitigem Türeinstieg obwohl es sich aufgrund der jeweiligen Stumpfendstelle um Zweirichtungsfahrzeuge handelt. Daher befinden sich die Haltestellen zum Franz-Josef-Platz stets in Fahrtrichtung links. Der Lohner/Kiepe GM 8 rollt seit Indienststellung 1961 für die Gmundener Elektrische und stellt als Neuanschaffung daher eine Ausnahme dar. Alle weiteren noch eingesetzten alten Bahnen des Unternehmens sind aus Zweiter Hand. Beide Duewag/Kiepe GM 9 und GM 10 sind Jahrgang 1952 und vormals bei der Vestische Straßenbahnen GmbH heimisch gewesen. Seit 1983 steht das Trio gemeinsam auf dem Dienstplan. Heutzutage dient GM 9 als Reservefahrzeug. Im Sommer 2003 gab es ein einwöchiges Gastspiel eines Siemens Combino aus Nordhausen. Eine weitere Erprobung einer Niederflurtram im regulären Fahrgasteinsatz wurde über mehrere Wochen im September 2008 mit einem nagelneuen Cityrunner der IVB Innsbruck durchgeführt. Der Neubau des städtischen Bahnhofs führte im Jahr 2015 zur Verlegung des Endpunktes der Linie G. Diese endet fortan an einem eigenen Mittelbahnsteig unter dem selben Dach wie die Salzkammergutbahn der ÖBB. Wurde die Bimmel im Jahr 1975 vom Rathausplatz zum jetzigen Endpunkt am Franz-Josef-Platz zurückgezogen und Pläne über die Stilllegung immer wieder konkret, ist die Zukunft der Strecke gesichert. Das große Unterfangen "Stadtregiotram Gmunden", welches bereits vor über 100 Jahren geplant wurde und im Juli 2017 nach mehrjähriger Bauzeit ihren Abschluss finden soll - die Verknüpfung der Traunseebahn mit der Straßenbahn Gmunden. Mit der Durchbindung gelangen die Fahrgäste umsteigefrei von Vorchdorf-Eggenberg zum Regionalbahnhof Gmunden. Die Lokalbahn näherte sich bereits nach Verlegung des Seebahnhofs im Dezember 2014 bis zum Klosterplatz an und die zweigleisig ausgeführte Trassierung ab Franz-Josef-Platz ist bis zum Trauntor vorgedrungen. Der letzte Bauabschnitt beginnt unter dem Trauntor hindurch über die Traunbrücke zum Klosterplatz. Mit dem Lückenschluss und der Eröffnung wird der Ort aber auch um eine Attraktion ärmer sein. Der kleinste Straßenbahnbetrieb der Welt gehört dort dann der Vergangenheit an. Auch ihre bisherigen Fahrzeuge sind durch die Verfügbarkeit von acht fünfteiligen-Gelenktriebwagen "Tramlink" entbehrlich und werden außer Dienst gestellt.

Nun zu den Eindrücken.

Am frühen Morgen des 19.Juli erreichten wir mit dem aus Salzburg kommenden REX den an der Westbahn gelegenen Bahnhof Vöcklamarkt.


Innenraum ET 26.110 als Attergaubahn im Bahnhof Vöcklamarkt

Entgegen der Wettervorhersage sorgten die "Fotowolken" schon morgens für Anspannung.


ET 26.110 als Attergaubahn am Haltepunkt Walchen


ET 26.111 als Attergaubahn zwischen Kogl und St.Georgen im Attergau (Ausweiche)


ET 26.111 als Attergaubahn bei Schmidham


ET 26.111 als Attergaubahn zwischen Schmidham und Walsberg (Ausweiche)


ET 26.111 als Attergaubahn am Endpunkt im Bahnhof Vöcklamarkt (Westbahn)


ET. 26.111 als Attergaubahn bei Neuhofen

In der Niederung befindet sich der Attersee.


ET 26.111 als Attergaubahn an der Steigung zwischen Attersee und Neuhofen


ET 26.111 als Attergaubahn bei Palmsdorf

Mit der letzten Lokalbahn fuhren wir am Abend von Attersee nach Vöcklamarkt und nach erfolgtem Zugwechsel zu unserem letzten Umsteigebahnhof.


BR 1142 682 als REX nach Linz im Bahnhof Attnang-Puchheim

Schlaflos in Salzburg, schlaflos in Gmunden. Entsprechend übernächtigt startete ich in den Tag. Bereits in der 5-Uhr-Stunde wurde die erste Straßenbahn abgelichtet. Nachdem mein Bruder bereits seit Mai 2013 jeden Straßenbahnbetrieb in Österreich besucht hat, war dieses mein erstes Mal.


GM 8 als Linie G am Endpunkt im Bahnhof Gmunden (Salzkammergutbahn)

Diese morgendliche Stimmung am Nordufer des Traunsees ist mit diesem Bild nur ansatzweise wiederzugeben. Es war für mich ein tolles Erlebnis.


Blick auf das Seeschloss Ort in Gmunden am Traunsee


GM 8 als Linie G auf der Esplanade


GM 10 als Linie G in der Kuferzeile


GM 8 als Linie G in der Esplanade


GM 10 als Linie G in der Kuferzeile


GM8 als Linie G in der Kuferzeile

Um kurz nach 10 Uhr stiegen wir in den Busersatzverkehr der Traunseebahn und begaben uns nach Vorchdorf-Eggenberg. Dort stand vor der Hauptwerkstatt einer der beiden Samba-Zugverbände in der Abstellung. Zu unserer Freude verkehrte er später auf dem zusätzlichen Umlauf der Vorchdorferbahn. Eine Garantie für den Einsatz unserer Stars gibt es nicht.


ES 22.233 + ET 22.133 auf dem Betriebshof in Vorchdorf-Eggenberg

Während der Bauarbeiten auf der Lokalbahn zwischen Gmunden und Vorchdorf hatten die neuen Bahnen keine Verwendung. Aus diesem Grund war während unseres Aufenthaltes nur Nostalgie auf den Gleisen von Stern & Hafferl anzutreffen.


ET 122 "Traunstein" auf dem Betriebshof in Vorchdorf-Eggenberg

Seit der Zulassung der drei Tramlink 121-123 im März 2016 und der Aufnahme des Fahrgastverkehrs auf der Traunseebahn, kann auf die beiden ET 23.111 und ET 23.112 mit Baujahr 1954 verzichtet werden. Da es von den Leihfahrzeugen aus Innsbruck nur zwei Vertreter gab, musste auf dem Verstärkerkurs im Schülerverkehr noch auf Altmaterial zurückgegriffen werden. Vorgänger und Nachfolger auf einem Bild.


ET 123 "Laudach" & ET 23.112 auf dem Betriebshof in Vorchdorf-Eggenberg


ET 20.111 als Vorchdorferbahn am Haltepunkt Mittlere Au


ET 20.111 als Vorchdorferbahn bei Blankenberg


ES 22.223 + ET 22.133 als Vorchdorferbahn bei Au

Dieser Bedarfshalt trägt den kürzesten Bahnhofsnamen Österreichs.


ET 20.111 als Vorchdorferbahn am Haltepunkt Au


ES 22.223 + ET 22.133 als Vorchdorferbahn bei Vorchdorf Schule

Im Nachhinein hätten wir den Samba an einer anderen Fotostelle mit optimalen Sonnenstand wählen und eine Stunde später nach Gmunden zurückkehren sollen. Der ärgerlichste von vielen taktischen Fehlern währen dieser Tage.


GM 10 als Linie G in der Kuferzeile


GM 8 als Linie G vor dem Firmengebäude

Im Hintergrund erstreckt sich der Traunstein, der Hausberg von Gmunden.


GM 10 als Linie G auf dem steilen Abschnitt in der Alois-Kaltenbrunner-Str.

Weitere Aufnahmen waren aufgrund des Sonnenstandes oder dem störenden Individualverkehr nicht möglich. An Motiven und Abwechslung mangelt es entlang des 2,315 Kilometer langen Schienenweges nicht. Da benötigt man aber andere Wetterbedingungen.

Mit dem letzten Zug um 20:23 kehrten wir über Attnang-Puchheim nach Vöcklamarkt zur Attergaubahn zurück. Nach einem Fußmarsch von 45 Minuten ließen wir uns am Haltehäuschen Schmidham nieder und verbrachten dort mit wenigen Stunden Schlaf die Nacht.

Stern & Hafferl Verkehr: Lokalbahn ET 26.111 als Attergaubahn bei Schmidham (00:57 Min.)



ET 26.110 als Attergaubahn bei Hipping


ET 26.110 & ET 26.111 als Attergaubahn am Haltepunkt Walsberg (Ausweiche)


ET 26.110 als Attergaubahn am Haltepunkt St.Georgen im Attergau Seniorenheim


ET 26.111 als Attergaubahn bei Seeling


ET 26.111 als Attergaubahn bei Thern

Der Himmel färbte sich immer grauer, die Sonne verlor den Kampf gegen die Wolken. Für uns führte der Wetterwechsel zum sofortigen Abbruch in Oberösterreich. Wenigstens entstand noch ein Video einer Mitfahrt, um den Sound noch mitzunehmen.

Stern & Hafferl Verkehr: Mitfahrt Lokalbahn ET 26.111 als Attergaubahn von Kogl nach Vöcklamarkt (11:33 Min.)


Auf der Fahrt nach Salzburg war mein Entschluss getroffen. In Folge von Schmerzen durch eines massiven Sonnenbrandes und müder "abgenutzter" Knochen war mein Elan am Ende. Eigentlich sollte der restliche Tag noch in Salzburg und die erste Hälfte des nächsten Tages in München verbracht werden. Doch die Tour wollte ich nicht in einer Tortur enden lassen.


Stadler Dosto vom Typ KISS als Westbahn nach Wien im Bahnhof Salzburg Hbf

Um 12 Uhr wurde der Grenzbahnhof mit einem EC heimwärts verlassen.

Einer erneuten Reise ins Reich von Stern & Hafferl stehe ich trotz der Anstrengungen nicht abgeneigt gegenüber. Eine Lehre habe ich gezogen. In meinem Rucksack befindet sich zukünftig eines mit von der Partie - die Sonnencreme.

Winke
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