Vier Betriebe, eine Stadt oder Die Reise ins Gestern - Mülheim (Ruhr)

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Vier Betriebe, eine Stadt oder Die Reise ins Gestern - Mülheim (Ruhr)

Beitrag  fischefüttern am Do 03 Jan 2013, 02:41

Mülheim ist eine Hochburg der klassischen M-Wagen. Während ihre Artverwandten in anderen Städten schon ausgemustert wurden, sind die M6 und M8 auf dem Kernnetz der MVG (102, 104, 110) noch munter unterwegs. Aber fangen wir anders an.

In Mülheim schicken gleich vier Verkehrsbetriebe ihre Straßen- und Stadtbahnen durch die Stadt. Da wäre zuerst die 901, die von Duisburg aus vor Allem Mülheim-Speldorf erschließt.



Die Linie wird von der DVG mit den schmalen GT 10 NC-DU bedient und endet in der unterirdischen Station Hauptbahnhof. An der Strecke dorthin liegt auch der Betriebshof der MVG, den eigentlichen Stadtverkehrsbetrieben in Mülheim.



Das Kernnetz der MVG umfasst die drei oben genannten Straßenbahnlinien. Hauptcharakteristikum dieser Linien sind die vielen Mittelbahnsteige - und eben der Einsatz der M6- und M8-Wagen.



Einige der M6 wurden in den späten 90ern mit einem Niederflurmittelteil erweitert. Insgesamt sind es aber nur sechs Wagen, sodass keine flächendeckende Barrierefreiheit erreicht werden kann. Ich habe diese Wagen auch nur auf der 102 gesehen.



Die 104 und die 110 müssen scheinbar ganz ohne Niederflurangebot auskommen. Wo keine Mittelbahnsteige vorhanden sind, gibt es meist auch keine anderen. Entweder wird klassisch von der Straße aus eingestiegen oder die Haltestelle hat ihr "Podest" auf Höhe der Schienenoberkante.











Das dritte Verkehrsunternehmen auf Mülheimer Stadtgebiet ist die STOAG (Stadtwerke Oberhausen), die gemeinsam mit der MVG die Linie 112 betriebt. Auf dieser kommen in der Regel nur die MGT6-Niederflurwagen zum Einsatz. Vier gehören der MVG, sechs der STOAG.







Zu guter Letzt gibt es noch die U18, die gemeinsam mit der EVAG (Essen) betriebene Stadtbahnlinie nach Essen. Sie ist eigentlich ein Kapitel für sich, der Beton gewordene Traum der 1960er Jahre. So unabhängig wie möglich, und das ohne Rücksicht auf Verluste. Auf Mülheimer Gebiet verläuft die Strecke großenteils unterirdisch, aber hin und wieder geht es auch an die Oberfläche. Das letzte Stück bis zum Hauptbahnhof, wo die U18 wie auch die 901 stumpf wendet, ist vollkommen abseits irgendwelcher Straßenführungen angelegt.







Im Vergleich zu anderen Städten im Ruhrgebiet hat man in Mülheim den Eindruck, die Stadt und auch die Verkehrsbetriebe sind in der 90ern stehen geblieben. Der überwiegende Anteil hochfluriger MVG-Bahnen, die ebenfalls nicht mehr ganz jungen DVG-Züge, die teils urigen U-Bahnstationen, der "Hauptbahnhof" - und das alles vor der Kulisse dieser Stadt. In Oberhausen sieht das ja alles schon ganz anders aus - aber da war ich nicht.

Der Verkehrsbetrieb bietet bis Sommer 2013 - so wurde es mir gesagt - keine Liniennetzpläne an (die alten seien ausverkauft, neue würden nicht gedruckt). In den Straßenbahnen gibt es aber auch keine, ebenso wenig wie an den Haltestellen. Nur in den U-Bahnstationen sind welche zu finden. Linienbänder kennt man bei der MVG auch nicht. Es ist ein wenig wie blindfahren...mal sehen, wohin es einen führt.

Wer einem Ausflug nach gestern nicht abgeneigt ist: Auf nach Mülheim.
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Re: Vier Betriebe, eine Stadt oder Die Reise ins Gestern - Mülheim (Ruhr)

Beitrag  der Lüdenscheider am Fr 04 Jan 2013, 19:14

Hi,

interessante Eindrücke.
Ich war im Oktober 2012 für wenige Tage in NRW, nur leider hat die Zeit wieder nicht ausgereicht, nur für Düsseldorf, ein bisschen Siegen, Lüdenscheid und Dortmund.
So seltsam wie es ist: Beinahe jeder Straßenbahnbetrieb in Westdeutschland hat(te) M/N-Wagen, nur bin ich bisher nur in Städten gewesen, an denen diese Züge nicht mehr eingesetzt werden oder nicht zu diesem Zeitpunkt, sprich Wochenende. In Kassel konnte ich mit viel Glück im Mai 2011 einen "Alten" fotografieren, das ist aber bisher das einzige Foto, welches ich von diesem Typ besitze, ein Mitfahrgefühl habe ich von den Dingern überhaupt nicht.

Aber hast Du auf der U18 überhaupt keine Docklands fotografiert?
Münchi hat im Sommer sogar einen mit originaler Lackierung aus London aufnehmen können.

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Re: Vier Betriebe, eine Stadt oder Die Reise ins Gestern - Mülheim (Ruhr)

Beitrag  fischefüttern am Fr 04 Jan 2013, 20:52

Doch, ich habe auch zwei Docklands-Bilder gemacht, aber die sind eben nicht besonders gut geworden. Außerdem habe ich mich wirklich auf Mülheim konzentriert (daher nur wenig U18), selbst auf der stylischen Oberhausener ÖPNV-Trasse bin ich nicht gewesen. Das kommt dieses Jahr aber auch noch, sowieso viel NRW.

In Kassel sollen die N-Wagen ja eigentlich nicht mehr fahren. Das Gerücht ging ja, dass die gebrauchten N-Wagen aus Hessen wie auch ihre Vorgänger den Weg nach Gorzów Wielkopolski nehmen. Leider kenne ich keinen aktuellen Stand zur Sachlage.

Garanten für M/N-Wagen sind derzeit täglich noch Bochum (310), Mülheim (102, 104, 110) und Essen (107, bei anderen Linien bin ich mir unsicher, sind aber noch genug da). In Augsburg stehen die M-Wagen ja leider derzeit arbeitslos herum. Wie der Einsatz in Heidelberg aussieht, entzieht sich ebenfalls meiner Kenntnis.
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Re: Vier Betriebe, eine Stadt oder Die Reise ins Gestern - Mülheim (Ruhr)

Beitrag  Oberdeck am Fr 04 Jan 2013, 21:11

Hi,

auch ich finde die Eindrücke sehr interessant, zumal ich in NRW bislang ja wirklich nur überaus selten war - und dann auch noch meist auf Durchreise. Lediglich Solingen habe ich schon besucht, aber selbst dort hatte ich keine Zeit, mich mit den O-Bussen zu befassen. In Münster war ich mal bei einem Treffen historischer Busse, da waren u.a. zwei Anderthalbdecker zu Gast. Das war's mit NRW auch schon.
Sehe ich das richtig, dass die Wagen, die auf der U18 fahren, denen in Frankfurt/M. ähneln?
Die Haltestelle Eichbaum sieht ja interessant aus. Hast Du denn noch weitere Fotos aus oder von den unterirdischen Stationen? Und: Wie viele gibt es davon?

Winke

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Re: Vier Betriebe, eine Stadt oder Die Reise ins Gestern - Mülheim (Ruhr)

Beitrag  fischefüttern am Fr 04 Jan 2013, 21:31

Oh, also der Reihe nach. Zuerst: Ja, von der Station Eichbaum habe ich weitere Fotos, siehe unten. Die würde dir sicherlich sehr gefallen (wie ja auch mir), sie war sogar mal im Straßenbahnmagazin als beispielhaft für die Verkehrspolitik der 1960er Jahre vorgestellt worden (in einem Artikel über die gesamte U18). Dadurch wurde ich auf diese Station aufmerksam. Auf Mülheimer Gebiet gibt es noch weitere U-Bahnstationen, aber so wie Eichbaum ist keine nochmal (eigentlich ist es ja keine unterirdische, sondern nur eine überbaute Station). Interessant ist noch die Haltestelle Gracht, die auch nicht wirklich unterirdisch liegt, aber eben komplett in einem Hügel verschwindet. Aus dieser Station heraus sind die beiden anderen U18-Bilder entstanden.

Die auf der U18 eigesetzten Züge gehören zur Klasse der "Stadtbahnwagen B", die in vielen Variationen auf allen Stadtbahnnetzen in NRW (außer Bielefeld) zum Einsatz kommen. Die Wagen in Frankfurt gehören allesamt zu anderen Klassen.

Wäre nicht für Donnerstag deutschlandweit Regenwetter angesagt gewesen, hätte ich vielleicht noch einen weiteren Tag auf Achse verbracht und wäre auch mal nach Münster gefahren. Auf der Buslinie S70 kommen schmucke Überland-Doppeldecker zum Einsatz, nachmittags im Halbstundentakt.

Wenn das alles nicht so verdammt weit weg wäre, könnten wir uns auch mal gemeinsam dorthin begeben. Eine Fahrt mit dem Auto halte ich allerdings für nur schwer umsetzbar, zumindest auf der Autobahn. In NRW müsste man schon mindestens eine Woche verbringen für das, was allein hobbymäßig bereits geboten wird, von anderen interessanten Sachen mal ganz abgesehen.
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Re: Vier Betriebe, eine Stadt oder Die Reise ins Gestern - Mülheim (Ruhr)

Beitrag  fischefüttern am Fr 04 Jan 2013, 21:33

Ach so, die Bilder...









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Re: Vier Betriebe, eine Stadt oder Die Reise ins Gestern - Mülheim (Ruhr)

Beitrag  der Lüdenscheider am Fr 04 Jan 2013, 22:28

Hi,

die Kasseler N8C gehen nicht wie erst einmal angedacht nach Landsberg/Warthe sondern nach Danzig, werden dort aber einen neuen Frontkopf erhalten, wie es im Ostblock ja mittlerweile üblich ist. Rolling Eyes

Auch ich habe das Thema verfolgt, wie die N8C-Wagen nun auch in Kassel, wo es bis zuletzt noch alle Einheiten gab, langsam von der Bildfläche verschwinden. Die 86er Serie gibt es aber noch, die sollen als Verstärker eingesetzt werden, glaube Linie 1 und 7.

In Heidelberg fahren die Teile auf der Linie 21, wo auch noch zwei ältere DüWag-Straba verkehren.

Wieso brichst Du deine Reise wegen Regenwetter ab? Das ist doch das beste, was einem Fotografen passieren kann, gerade im Winter.

Auch die LüMüs werden im Jahr 2013 NRW unsicher machen. Ich war leider vor dem Besuch im Oktober ganze 4 Jahre nicht in meiner zweiten Heimat und da war immer nur Lüdenscheid und Wuppertal auf unserem Radarschirm.
So kam es auch, dass ich den O305G (Jahrgang 1982) der MVG Lüdenscheid nicht mehr im Linieneinsatz antreffen konnte. Ein freundlicher Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft gab zur Auskunft, dass er leider in der Werkstatt Iserlohn steht und nicht mehr auf Linie eingesetzt wird. Von 2005-2011 kam der Bus auf den Schülerumläufen der Linie 87 von Lüdenscheid, Gymnasium Worthhöh nach Schalksmühle zum Einsatz.

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Re: Vier Betriebe, eine Stadt oder Die Reise ins Gestern - Mülheim (Ruhr)

Beitrag  fischefüttern am Sa 05 Jan 2013, 00:20

Ich war vor wenigen Monaten mal einen Tag lang in Bielefeld - bei sehr durchdringendem Regenwetter. Trotz Jacke und mehrerer darunter getragenen Bekleidungsstücken war ich am Ende des Tages so durchnässt, dass sich das während der etwa achtstündigen Fahrt nicht sonderlich geändert hat. Auch dem Fotoapparat ist die Ständige Feuchtigkeit nicht bekommen - er hat zwischenzeitlich nicht richtig funktioniert. Zudem kann ich bei der mit Dauerregen einhergehenden Düsternis nicht besonders gut Fotos machen, es sind ausschließlich Standbilder möglich - oder eben nachhaltig unscharfe Fotos. Dafür die Anstrengung, eine weitere Nacht durchzumachen und weitere zwanzig Stunden auf den Beinen zu sein - das muss nicht sein.

So wie in Mülheim - wolkig, aber eben trocken - war es eigentlich okay. Ein wenig heller hätte es noch sein können.
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Re: Vier Betriebe, eine Stadt oder Die Reise ins Gestern - Mülheim (Ruhr)

Beitrag  Oberdeck am Sa 05 Jan 2013, 05:58

Philipp schrieb:Ja, von der Station Eichbaum habe ich weitere Fotos, siehe unten. Die würde dir sicherlich sehr gefallen
Das glaube ich auch. Sieht ja wirklich hochinteressant aus. Cool

Philipp schrieb:und wäre auch mal nach Münster gefahren. Auf der Buslinie S70 kommen schmucke Überland-Doppeldecker zum Einsatz, nachmittags im Halbstundentakt.
In der Anfangszeit der Doppeldecker im dortigen Überlandverkehr, fuhren solche Wagen auch auf den Linien S71 und S75, die Linie S71 fuhr zunächst sogar grenzüberschreitend nach Winterswijk in Holland. Ansonsten gibt es in NRW heute noch Doppeldecker auf der Linie S30 von Dortmund nach Bergkamen und auf den Linien S90 und S91/S92 von Münster nach Senden/Lüdinghausen, ein Foto findet sich z.B. auf der -> Homepage des RVM. Dort gibt es auch den -> Übersichtsplan der Schnellbuslinien.

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